Startseite

16. Jahrhundert

Bibeln haben eine Faszination, alte Bibeln haben eine größere - und alte kolorierte Bibeln sind die Königsdisziplin des Sammelns. Eine ganze in guter Qualiutät durchkolorierte Bibel, wie die Wittenberger Bibel in unserem Beispiel, ist für viele Sammler eine unerschwingliche Angelegenheit. Versuchen Sie mal den Kauf von einzelnen kolorierten Bibelblättern. Die sind noch um 50-100 Euro zu kriegen und man bekommt einen Einblick in die Faszination der alten Bibeln, die noch dazu "färbig" sind. Der Unterschied liegt im ganzen Bild: Der unkolorierte Holzschnitt hat eine andere Faszination als der kolorierte. Es ist fast so, als erzähle er eine andere neue Geschichte...

Die seit 1534 herausgegebene Dietenberger Bibel ist nach dem Domimikaner Johann Dietenberger benannt. Die sprachlich recht gute Bibel (Pflichtlektüre dazu ist das Köster Buch!) wurde zur ernsthaftesten Gegenübersetzung der ersten Zeit. Nachdem die ersten drei Auflagen in eher großen Abständen erschienen: 1534, 1540 und 1550 machte sich danach langsam eine beginnende "Teiltoleranz" zur katholischen deutschen Bibel bemerkbar. (Das ist natürlich sehr verkürzt, im Endeffekt erlaubten die deutschen Kirchenfürsten unter der Hand, was Rom auch nach dem Trientinischen Konzil verboten hatte: Das Bibellesen in der deutschen Sprache für den gemeinen Mann.

Bis 1567 wird die Dietenberger mit den wunderbaren Holzschnitten von Anton Woesam geschmückt (Offenbarung). Die künstlerisch weniger anspruchsvollen Schnitte des AT stammen von Beham. Sie wurden schon in etlichen anderen Bibeln vorher verwendet.

Dietenberger Bibel von 1592; katholische Gegenbibel zur Luther Vollbibel; Holzschnitte von Virigil Solis, die auch in manchen Lutherbibeln zum Einsatz kamen. Mit den Solis Schnitten wurde die Dietenberger zur ernsthaften Konkurrenz für die Luther Bibeln.

Das im Trienter Konzil ausgesprochene Verbot der volkssprachlichen Bibeln wurde mal mehr mal weniger eingehalten. Zu erkennen ist ein Nord-Süd Gefälle. Im katholischen Norden /Westen Deutschlands wurde das Verbot eher ignoriert als im bayrisch-österreichischen Raum. Die Verbreitung der Dietenberger erfolgte naturgemäß dann eher auch in dieser Gegend. Die Dietenberger wurde bis ins 18. Jahrhundert immer wieder nachgedruckt und war die am weitesten verbreitete katholische Gegenbibel zur Lutherbibel.

Klicken Sie hier, um zur Galerie zu gelangen.
Klicken Sie hier, um zur Galerie zu gelangen.

Die Luther Bibel von 1569 ist eine Lufft Bibel aus Wittenberg. Die Besonderheit ist ihre niederdeutsche Provenienz. Der Rückgang der niederdeutschen Sprache Ende des 16. Jahrhunderts führte zu einer Abnahme des niederdeutschen Bibeldruckes bis hin zum völligen Erliegen desselben mit Beginn des 30-jährigen Krieges.

Daher sind diese Bibeln selten und dementsprechend teuer. Aus der Lufft Werkstatt sind derzeit meines Wissens nur 7 Bibeln niederdeutscher Herkunft bekannt. Das macht dieses Stück - zusammen mit dem ersten Einband - zu einem echten rarissima.

Mit den beinahe typischen Stichen von H.B und den anderen Wittenberger Stichen, kommt die Lehmann Bibel daher. Das Ende des Jahrhunderts war eine schwierige Zeit für den Wittenberger Druck. Druckerprivilegien liefen aus, die renommierte Druckerei Lufft war nur mehr nur ein Abklatsch vergangener Größe. Von einem "künstlerischen Niedergang" wie das Hans Volz meint, ist aber in den Druckwerken wenig zu sehen. Das hätten sich die Wittenberger auch nicht erlauben können, zu groß war die auswärtige Konkurrenz - vor allem aus Frankfurt.